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Branchenreport

Freiberufliche Dienstleistungen: 157 Insolvenzverfahren in 30 Tagen – Anstieg von 31%

Die freiberuflichen Dienstleistungen verzeichnen einen deutlichen Anstieg bei den Insolvenzverfahren. In den letzten 30 Tagen wurden 157 neue Insolvenzverfahren bei 145 Unternehmen registriert – ein Anstieg von 30,8 % gegenüber dem Vormonat. Damit liegt die Branche auf Platz 4 aller Wirtschaftszweige und ist für 6,6 % aller Insolvenzverfahren in Deutschland verantwortlich. Im Jahresvergleich beträgt der Anstieg sogar 46,6 %.

Die Zahlen im Überblick

Kennzahl Letzte 30 Tage Letztes Quartal Letztes Jahr
Verfahren gesamt 157 444 1.368
Betroffene Unternehmen 145 376 988
Veränderung ggü. Vorperiode +30,8 % +16,8 % +46,6 %

Der Jahresanstieg von 46,6 % zeigt, dass die Insolvenzdynamik in den freiberuflichen Dienstleistungen deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Trend liegt.

Unternehmensberatungen mit Abstand am stärksten betroffen

Die Aufschlüsselung nach Teilbranchen zeigt, wo die Insolvenzwelle besonders hart zuschlägt:

Teilbranche WZ-Code Anteil (30 Tage) Anteil (Quartal)
Unternehmensberatung & -führung 70 42,0 % 44,1 %
Werbung & Marktforschung 73 20,4 % 20,3 %
Architektur- & Ingenieurbüros 71 19,7 % 18,0 %
Rechts- & Steuerberatung 69 6,4 % 5,9 %
Sonstige freiberufliche DL 74 6,4 % 6,1 %

Über 42 % aller Verfahren entfallen auf den Bereich Unternehmensberatung und -führung (WZ 70) – mit 66 betroffenen Firmen allein in den letzten 30 Tagen. Werbung/Marktforschung und Architektur-/Ingenieurbüros folgen mit jeweils rund 20 %.

Warum trifft es Beratungen und Planungsbüros so stark? Unternehmensberatungen und Architekturbüros sind stark von der Auftragslage ihrer Kunden abhängig. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten werden externe Beratungsleistungen und Planungsprojekte als Erstes gekürzt. Gleichzeitig haben viele dieser Firmen hohe Fixkosten durch qualifiziertes Personal, aber keine materiellen Sicherheiten. Wenn Aufträge wegbrechen, geraten sie schnell in die Zahlungsunfähigkeit.

Verfahrensarten: Abweisungsquote deutlich über dem Schnitt

Die Verteilung der Verfahrensarten zeigt eine auffällig hohe Abweisungsquote:

Verfahrensart Anzahl Anteil Gesamtmarkt
Eröffnung eines Insolvenzverfahrens 73 46,5 % 45,2 %
Sicherungsmaßnahmen 42 26,8 % 34,7 %
Abweisung mangels Masse 42 26,8 % 20,1 %

Die Abweisungsquote von 26,8 % liegt fast 7 Prozentpunkte über dem Gesamtmarkt (20,1 %). Das bedeutet: Bei mehr als jedem vierten Verfahren reicht das Vermögen nicht einmal für die Verfahrenskosten aus. Für Gläubiger heißt das in der Regel: Totalausfall. Im Quartalsvergleich ist die Quote mit 30,2 % sogar noch höher.

Fast 90 % sind Klein- und Kleinstunternehmen

Die Insolvenzwelle trifft vor allem kleine Firmen:

  • Kleinstunternehmen (bis 10 Mitarbeiter): 45,9 % aller Verfahren
  • Kleine Unternehmen (11–49 Mitarbeiter): 41,4 %
  • Mittelgroße Unternehmen: 3,8 %
  • Großunternehmen: 0,6 % (1 Fall)

Mit 87,3 % entfallen fast neun von zehn Insolvenzen auf Klein- und Kleinstunternehmen. Das ist typisch für die Branche: Beratungen, Planungsbüros und Agenturen sind häufig als kleine GmbHs mit wenigen Mitarbeitern organisiert. Im Vergleich zum Gesamtmarkt (83,1 %) ist der Anteil kleiner Firmen leicht überdurchschnittlich.

NRW und Hessen als regionale Schwerpunkte

Die regionale Verteilung zeigt zwei auffällige Schwerpunkte:

Bundesland Verfahren Anteil
Nordrhein-Westfalen 47 29,9 %
Hessen 29 18,5 %
Baden-Württemberg 25 15,9 %
Niedersachsen 11 7,0 %
Berlin 9 5,7 %

Nordrhein-Westfalen führt erwartungsgemäß die Statistik an. Auffällig ist der hohe Anteil von Hessen mit 18,5 % – deutlich über dem Bevölkerungsanteil des Bundeslandes. Der Frankfurter Raum als Standort zahlreicher Beratungs- und Finanzdienstleister spielt hier eine wesentliche Rolle.

73 Fristen laufen in den nächsten 30 Tagen ab

Für Gläubiger besonders relevant: Aktuell laufen 73 Fristen zur Forderungsanmeldung innerhalb der nächsten 30 Tage ab, davon 25 bereits in den nächsten 7 Tagen. Die durchschnittliche Restlaufzeit beträgt 23 Tage. Wer seine Forderungen nicht rechtzeitig anmeldet, geht leer aus.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Wenn Sie Geschäftspartner im Bereich freiberufliche Dienstleistungen haben – ob als Auftraggeber, Kooperationspartner oder Gläubiger – empfehlen wir:

  • Beratungs- und Agenturpartner überwachen: Besonders Unternehmensberatungen und Werbeagenturen zeigen erhöhte Insolvenzraten. Erfassen Sie alle relevanten Partner in Ihrer Watchlist.
  • Fristen aktiv verfolgen: Bei 73 ablaufenden Fristen im nächsten Monat ist eine automatische Überwachung unverzichtbar, um keine Forderungsanmeldung zu verpassen.
  • Projektverträge absichern: Vereinbaren Sie Meilenstein-basierte Zahlungen statt pauschaler Vorschüsse. So begrenzen Sie Ihr Ausfallrisiko bei laufenden Projekten.
  • Planungsbüros prüfen: Architektur- und Ingenieurbüros machen fast 20 % der Insolvenzen aus. Prüfen Sie bei Bauprojekten die wirtschaftliche Stabilität Ihrer Planungspartner.

Datenquelle: Eigene Auswertung auf Basis der offiziellen Insolvenzbekanntmachungen (insolvenzbekanntmachungen.de). Analysezeitraum: 18.01.2026 – 17.02.2026. Alle Angaben ohne Gewähr.

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