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Branchenreport

Handel: Platz 1 bei Insolvenzen – 290 neue Verfahren und ein Plus von 46% im Jahresvergleich

Der Handel hat das Baugewerbe überholt und ist aktuell die insolvenzstärkste Branche Deutschlands. In den letzten 30 Tagen wurden 290 neue Insolvenzverfahren bei 273 Handelsunternehmen registriert – ein Anstieg von 27,8% gegenüber dem Vormonat. Mit einem Anteil von 11,4% an allen Insolvenzen liegt der Handel damit auf Platz 1, dicht gefolgt vom Baugewerbe (10,7%).

Besonders alarmierend: Im Jahresvergleich beträgt der Anstieg 46,2% – deutlich über dem branchenübergreifenden Durchschnitt von 37,5%.

Die Zahlen im Überblick

Kennzahl Letzte 30 Tage Letztes Quartal Letztes Jahr
Verfahren gesamt 290 781 2.564
Betroffene Unternehmen 273 684 1.877
Veränderung ggü. Vorperiode +27,8% +16,4% +46,2%
Bilanzsumme (kumuliert) 364,8 Mio. € 908,7 Mio. € 3,27 Mrd. €

Mit einer kumulierten Bilanzsumme von 3,27 Milliarden Euro im letzten Jahr gehört der Handel zu den Branchen mit dem höchsten wirtschaftlichen Schaden durch Insolvenzen.

Einzel- und Großhandel nahezu gleichauf

Anders als in vielen anderen Branchen verteilen sich die Insolvenzen im Handel auf mehrere Teilbereiche:

Teilbranche Verfahren (Monat) Anteil
Einzelhandel 127 43,8%
Großhandel 120 41,4%
Kfz-Handel 43 14,8%

Einzel- und Großhandel sind mit jeweils rund 42–44% nahezu gleich stark betroffen. Der Kfz-Handel trägt mit knapp 15% ebenfalls einen signifikanten Anteil – angesichts der anhaltenden Transformation der Automobilbranche keine Überraschung.

Warum trifft es den Handel so hart? Der Handel steht unter Mehrfachdruck: steigende Einkaufspreise, sinkende Konsumausgaben, zunehmender Online-Wettbewerb und höhere Mietkosten. Besonders stationäre Händler ohne digitale Vertriebswege geraten unter Druck. Im Großhandel kommen Zahlungsausfälle entlang der Lieferkette hinzu.

Verfahrensarten: Jede vierte Insolvenz endet im Totalausfall

Verfahrensart Anzahl Anteil
Eröffnung eines Insolvenzverfahrens 122 42,1%
Sicherungsmaßnahmen 92 31,7%
Abweisung mangels Masse 76 26,2%

Bei 26,2% aller Verfahren reicht das Vermögen nicht einmal für die Verfahrenskosten. Für Lieferanten und Gläubiger bedeutet eine Abweisung mangels Masse in der Regel: kein Insolvenzverwalter, kein geordnetes Verfahren – und Totalausfall der offenen Forderungen.

Fast 90% sind Klein- und Kleinstunternehmen

  • Kleinstunternehmen (bis 10 Mitarbeiter): 56,9%
  • Kleine Unternehmen (11–49 Mitarbeiter): 31,7%
  • Mittelgroße Unternehmen: 5,9%
  • Großunternehmen: 0,7% (2 Fälle)

Die durchschnittliche Bilanzsumme liegt bei 3,54 Mio. Euro, das Maximum bei 77,8 Mio. Euro. 79,3% der betroffenen Unternehmen sind GmbHs, 12,4% sind UGs (haftungsbeschränkt) – ein überdurchschnittlich hoher UG-Anteil, der auf viele jüngere Gründungen im E-Commerce hindeutet.

NRW und Hessen: Fast die Hälfte aller Handels-Insolvenzen

Die regionale Konzentration ist im Handel besonders ausgeprägt:

Bundesland Verfahren Anteil
Nordrhein-Westfalen 91 31,4%
Hessen 51 17,6%
Baden-Württemberg 43 14,8%

Allein NRW und Hessen vereinen 49% aller Handels-Insolvenzen. Die Konzentration in Hessen erklärt sich unter anderem durch die starke Logistik- und Großhandelsinfrastruktur rund um Frankfurt.

108 Fristen laufen in den nächsten 30 Tagen ab

Für Gläubiger mit offenen Forderungen gegen Handelsunternehmen ist schnelles Handeln gefragt: Aktuell laufen 108 Fristen zur Forderungsanmeldung innerhalb der nächsten 30 Tage ab – davon 38 bereits in den nächsten 7 Tagen. Die durchschnittliche verbleibende Frist beträgt nur 25 Tage.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Ob als Lieferant, Vermieter oder Dienstleister – wenn Sie Geschäftsbeziehungen zu Handelsunternehmen unterhalten, sollten Sie jetzt aktiv werden:

  • Handelspartner auf die Watchlist: Überwachen Sie Ihre Kunden und Lieferanten im Einzel- und Großhandel – besonders kleine Unternehmen und UGs.
  • Forderungsanmeldung prüfen: Bei 108 ablaufenden Fristen ist die Gefahr groß, Anmeldefristen zu verpassen.
  • Kreditlimits überprüfen: Passen Sie Zahlungsziele und Kreditlinien an die aktuelle Risikolage an.
  • Kfz-Handel im Blick: Mit knapp 15% Anteil ist der Automobilhandel ein eigenständiger Risikofaktor – insbesondere für Teilelieferanten und Werkstattausrüster.

Datenquelle: Eigene Auswertung auf Basis der offiziellen Insolvenzbekanntmachungen (insolvenzbekanntmachungen.de). Analysezeitraum: 12.01.2026 – 11.02.2026. Alle Angaben ohne Gewähr.

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