Das Baugewerbe bleibt einer der am stärksten von Insolvenzen betroffenen Wirtschaftszweige in Deutschland. In den letzten 30 Tagen wurden 273 neue Insolvenzverfahren bei 254 Bauunternehmen registriert – ein Anstieg von 24,1% gegenüber dem Vormonat. Im Branchenvergleich liegt das Baugewerbe damit auf Platz 2 aller Wirtschaftszweige und ist für jede neunte Insolvenz in Deutschland verantwortlich.
Die Zahlen im Überblick
| Kennzahl | Letzte 30 Tage | Letztes Quartal | Letztes Jahr |
|---|---|---|---|
| Verfahren gesamt | 273 | 745 | 2.415 |
| Betroffene Unternehmen | 254 | 654 | 1.786 |
| Veränderung ggü. Vorperiode | +24,1% | +14,1% | +39,4% |
| Bilanzsumme (kumuliert) | 274,9 Mio. € | 806,6 Mio. € | 2,53 Mrd. € |
Besonders auffällig: Der Jahresvergleich zeigt einen Anstieg von 39,4%. Das Baugewerbe hat sich damit deutlich stärker entwickelt als der branchenübergreifende Trend.
Verfahrensarten: Jedes vierte Verfahren wird mangels Masse abgewiesen
Die Verteilung der Verfahrensarten im letzten Monat:
| Verfahrensart | Anzahl | Anteil |
|---|---|---|
| Eröffnung eines Insolvenzverfahrens | 103 | 37,7% |
| Sicherungsmaßnahmen | 102 | 37,4% |
| Abweisung mangels Masse | 68 | 24,9% |
Der hohe Anteil an Abweisungen mangels Masse (24,9%) zeigt: Bei fast jedem vierten Verfahren reicht das Vermögen nicht einmal aus, um die Kosten des Insolvenzverfahrens zu decken. Für Gläubiger bedeutet das in der Regel einen Totalausfall.
Ausbaugewerbe trägt die Hauptlast
Nicht alle Baubereiche sind gleichermaßen betroffen. Die Aufschlüsselung nach Wirtschaftszweigen zeigt ein klares Bild:
| Gewerk | Anteil | Typische Betriebe |
|---|---|---|
| Vorbereitende Baustellenarbeiten & Ausbaugewerbe (WZ 43) | 63,7% | Elektroinstallation, Sanitär, Malerei, Trockenbau, Abbruch |
| Hochbau (WZ 41) | 30,4% | Wohnungsbau, Gewerbebau, Bauträger |
| Tiefbau (WZ 42) | 5,9% | Straßenbau, Leitungsbau, Brückenbau |
Fast zwei Drittel aller Insolvenzen entfallen auf das Ausbaugewerbe und vorbereitende Baustellenarbeiten – also auf die zahlreichen Subunternehmer und spezialisierten Handwerksbetriebe, die als Nachunternehmer tätig sind. Diese Verteilung ist über alle Zeiträume hinweg stabil.
Warum trifft es das Ausbaugewerbe so hart? Subunternehmer stehen am Ende der Zahlungskette. Wenn ein Generalunternehmer Zahlungsprobleme hat oder selbst insolvent wird, trifft es die Nachunternehmer zuerst – oft mit offenen Rechnungen über mehrere Monate.
Über 90% sind Klein- und Kleinstunternehmen
Die Größenverteilung der betroffenen Unternehmen verdeutlicht, dass die Insolvenzwelle vor allem kleine Betriebe trifft:
- Kleinstunternehmen (bis 10 Mitarbeiter): 51,3% aller Verfahren
- Kleine Unternehmen (11–49 Mitarbeiter): 39,9%
- Mittlere und große Unternehmen: unter 9%
Die durchschnittliche Bilanzsumme liegt bei 2,48 Mio. Euro, das Maximum bei 42,8 Mio. Euro. Die überwiegende Rechtsform ist mit 88,3% die GmbH.
NRW mit Abstand am stärksten betroffen
Nordrhein-Westfalen dominiert die regionale Verteilung mit einem Anteil von 26% aller Bauinsolvenzen im letzten Monat. Im Jahresvergleich liegt der Anteil sogar bei 31,6%. Das bevölkerungsreichste Bundesland ist damit überproportional betroffen.
82 Fristen laufen in den nächsten 30 Tagen ab
Für Gläubiger besonders relevant: Aktuell laufen 82 Fristen zur Forderungsanmeldung innerhalb der nächsten 30 Tage ab, davon 24 bereits in den nächsten 7 Tagen. Wer seine Forderungen nicht rechtzeitig anmeldet, geht leer aus.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Wenn Sie Geschäftspartner im Baugewerbe haben – ob als Lieferant, Auftraggeber oder Kreditgeber – empfehlen wir:
- Überwachungsliste prüfen: Sind alle relevanten Bau-Partner in Ihrer Watchlist erfasst? Besonders Subunternehmer und kleine Handwerksbetriebe gehören auf die Liste.
- Fristen im Blick behalten: Bei 82 ablaufenden Fristen im nächsten Monat ist aktives Monitoring unverzichtbar.
- Zahlungsbedingungen anpassen: Erwägen Sie kürzere Zahlungsziele oder Teilzahlungen bei Risikopartnern.
- Lieferkette diversifizieren: Identifizieren Sie Abhängigkeiten von einzelnen Baudienstleistern frühzeitig.
Datenquelle: Eigene Auswertung auf Basis der offiziellen Insolvenzbekanntmachungen (insolvenzbekanntmachungen.de). Analysezeitraum: 12.01.2026 – 11.02.2026. Alle Angaben ohne Gewähr.