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Branchenreport

Verarbeitendes Gewerbe: Weniger Fälle, aber Milliardenschäden – 2,93 Mrd. € Bilanzvolumen in einem Monat

Auf den ersten Blick wirkt das Verarbeitende Gewerbe mit 195 Insolvenzverfahren in 30 Tagen weniger dramatisch als Handel (290) oder Baugewerbe (273). Doch der Schein trügt: Die durchschnittliche Bilanzsumme betroffener Industrieunternehmen liegt bei 23,6 Mio. Euro – mehr als doppelt so hoch wie der Branchendurchschnitt aller Wirtschaftszweige (11,2 Mio. Euro).

Das Ergebnis: Ein Bilanzvolumen von 2,93 Milliarden Euro in nur einem Monat. Das sind 26% des gesamten Insolvenzvolumens in Deutschland – bei nur 7,7% der Fälle. Im Verarbeitenden Gewerbe gehen die großen Unternehmen unter.

Die Zahlen im Überblick

Kennzahl Letzte 30 Tage Letztes Quartal Letztes Jahr
Verfahren gesamt 195 538 1.734
Betroffene Unternehmen 181 450 1.155
Veränderung ggü. Vorperiode +30,9% +22,8% +25,0%
Bilanzsumme (kumuliert) 2,93 Mrd. € 5,49 Mrd. € 15,1 Mrd. €
Ø Bilanzsumme pro Unternehmen 23,6 Mio. € 15,3 Mio. € 13,2 Mio. €

Der Anstieg der durchschnittlichen Bilanzsumme von 13,2 Mio. € (Jahr) auf 23,6 Mio. € (Monat) zeigt: Zuletzt sind zunehmend größere Betriebe betroffen. Das größte einzelne Verfahren im aktuellen Monat betrifft ein Unternehmen mit einer Bilanzsumme von 509,6 Mio. Euro.

Metallverarbeitung und Maschinenbau führen die Statistik an

Teilbranche Verfahren (Monat) Anteil
Metallerzeugnisse (WZ 25) 41 21,0%
Maschinenbau (WZ 28) 21 10,8%
Nahrungs- und Futtermittel (WZ 10) 17 8,7%
Chemische Erzeugnisse (WZ 20) 13 6,7%
DV-Geräte, Elektronik, Optik (WZ 26) 13 6,7%

Die Metallverarbeitung ist mit 21% Anteil der mit Abstand am stärksten betroffene Bereich – diese Verteilung ist über alle Zeiträume stabil. Der Maschinenbau, traditionell das Rückgrat der deutschen Industrie, folgt mit 10,8%. Zusammen machen diese beiden Kernbranchen fast ein Drittel aller Industrieinsolvenzen aus.

Die Krise im Industriekern: Metallverarbeitung und Maschinenbau sind klassische Zulieferbranchen. Wenn hier Unternehmen ausfallen, hat das direkte Auswirkungen auf nachgelagerte Produktionsketten – von der Automobilindustrie über den Anlagenbau bis zur Medizintechnik. Ein einzelner Ausfall kann Dutzende Abnehmer treffen.

Größere Unternehmen, andere Struktur

Das Verarbeitende Gewerbe unterscheidet sich fundamental von Handel und Baugewerbe in der Größenstruktur der betroffenen Unternehmen:

Unternehmensgröße Verarb. Gewerbe Handel Baugewerbe
Kleinstunternehmen 22,1% 56,9% 51,3%
Kleine Unternehmen 50,8% 31,7% 39,9%
Mittelgroße Unternehmen 14,9% 5,9%
Großunternehmen 5,6% 0,7%

Während im Handel und Baugewerbe vorwiegend Kleinstunternehmen betroffen sind, dominieren im Verarbeitenden Gewerbe die kleinen und mittelgroßen Betriebe. Bemerkenswert: 11 Großunternehmen (5,6%) sind aktuell in Insolvenzverfahren – ein Anteil, der in anderen Branchen praktisch nicht vorkommt. Jeder dieser Fälle kann Hunderte Arbeitsplätze und ganze Zulieferketten betreffen.

Verfahrensarten: Deutlich weniger Totalausfälle

Verfahrensart Anzahl Anteil
Eröffnung eines Insolvenzverfahrens 101 51,8%
Sicherungsmaßnahmen 77 39,5%
Abweisung mangels Masse 17 8,7%

Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Branchen: Die Abweisungsquote liegt bei nur 8,7% – im Handel sind es 26,2%, im Baugewerbe 24,9%. Das bedeutet: Industrieunternehmen haben in der Regel noch genug Vermögenswerte, um ein geordnetes Verfahren durchzuführen. Für Gläubiger erhöht das die Chance auf zumindest eine Teilquote.

Der hohe Anteil an Sicherungsmaßnahmen (39,5%) deutet zudem darauf hin, dass viele Verfahren noch in einem frühen Stadium sind – hier besteht noch Handlungsspielraum.

NRW und Baden-Württemberg: Industriestandorte unter Druck

Bundesland Verfahren Anteil
Nordrhein-Westfalen 55 28,2%
Baden-Württemberg 30 15,4%
Bayern 17 8,7%
Sachsen 17 8,7%
Niedersachsen 14 7,2%

Die Verteilung spiegelt die Industriestandorte wider: NRW (Stahl, Metall, Maschinenbau) und Baden-Württemberg (Automobilzulieferer, Maschinenbau) tragen zusammen 43,6% aller Verfahren. Auffällig ist der vergleichsweise hohe Anteil von Sachsen – die ostdeutsche Industrie ist hier überproportional betroffen.

93 Fristen laufen in den nächsten 30 Tagen ab

Für Zulieferer und Geschäftspartner von Industrieunternehmen: Aktuell laufen 93 Fristen zur Forderungsanmeldung in den nächsten 30 Tagen ab, davon 26 bereits innerhalb der nächsten 7 Tage. Bei den hohen Bilanzsummen im Verarbeitenden Gewerbe können einzelne Forderungen schnell in den sechs- oder siebenstelligen Bereich gehen.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Die Industrieinsolvenz-Welle hat besondere Merkmale – und erfordert besondere Aufmerksamkeit:

  • Zulieferketten prüfen: Wenn ein Metallverarbeiter oder Maschinenbauer ausfällt, kann das Ihre eigene Produktion zum Stillstand bringen. Identifizieren Sie kritische Abhängigkeiten.
  • Größere Forderungen absichern: Bei einer Ø-Bilanzsumme von 23,6 Mio. Euro sind die Einzelrisiken deutlich höher als in anderen Branchen.
  • Sicherungsmaßnahmen beobachten: Bei 39,5% der Verfahren greifen erst vorläufige Maßnahmen – das Zeitfenster für eine Forderungsanmeldung ist noch offen.
  • Branchenübergreifend denken: Industrieinsolvenzen haben Dominoeffekte. Ein Metallverarbeiter beliefert möglicherweise Maschinenbauer, Automobilhersteller und Bauunternehmen gleichzeitig.

Datenquelle: Eigene Auswertung auf Basis der offiziellen Insolvenzbekanntmachungen (insolvenzbekanntmachungen.de). Analysezeitraum: 12.01.2026 – 11.02.2026. Alle Angaben ohne Gewähr.

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