Die Insolvenzwelle in Deutschland hält an und beschleunigt sich: In den letzten 30 Tagen wurden 2.573 neue Insolvenzverfahren bei 2.413 Unternehmen registriert – ein Plus von 38,9% gegenüber dem Vormonat. Im Jahresvergleich liegt der Anstieg bei 37,6%: von 15.867 auf 21.833 Verfahren.
Dieser monatliche Überblick fasst die wichtigsten Kennzahlen zusammen – als Orientierung für alle, die Geschäftspartner in mehreren Branchen und Regionen überwachen.
Die Gesamtzahlen
| Kennzahl | Letzte 30 Tage | Letztes Quartal | Letztes Jahr |
|---|---|---|---|
| Verfahren gesamt | 2.573 | 6.633 | 21.833 |
| Betroffene Unternehmen | 2.413 | 5.719 | 15.793 |
| Veränderung ggü. Vorperiode | +38,9% | +19,2% | +37,6% |
| Bilanzsumme (kumuliert) | 11,1 Mrd. € | 24,2 Mrd. € | 74,3 Mrd. € |
| Unternehmen mit >10 Mio. € Bilanz | 108 | 290 | 858 |
Zur Einordnung: 74,3 Milliarden Euro Bilanzvolumen in einem Jahr – das entspricht dem Bruttoinlandsprodukt einer mittelgroßen deutschen Stadt. Allein im letzten Monat waren 108 Unternehmen mit einer Bilanzsumme von über 10 Millionen Euro betroffen.
Branchen-Ranking: Wer ist am stärksten betroffen?
| Rang | Branche | Verfahren (Monat) | Anteil | Jahrestrend |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Handel | 294 | 11,4% | +46,2% |
| 2 | Baugewerbe | 274 | 10,6% | +39,4% |
| 3 | Verarbeitendes Gewerbe | 195 | 7,6% | +25,0% |
| 4 | Freiberufliche Dienstleistungen | 166 | 6,5% | — |
| 5 | Sonstige wirtschaftl. Dienstleistungen | 160 | 6,2% | — |
Die Top 3 – Handel, Bau und Industrie – vereinen zusammen knapp 30% aller Insolvenzverfahren. Jede dieser Branchen hat ihr eigenes Risikoprofil:
- Handel: Höchste absolute Zahl, Einzel- und Großhandel gleichermaßen betroffen
- Baugewerbe: Ausbaugewerbe (Subunternehmer) trägt 64% der Bau-Insolvenzen
- Verarbeitendes Gewerbe: Weniger Fälle, aber enormes Bilanzvolumen (Ø 23,6 Mio. €)
Nicht in den Top 5, aber mit dem stärksten Wachstum: Das Gastgewerbe verzeichnet +66,7% im Jahresvergleich – der höchste Anstieg aller Branchen. Mit 136 Verfahren im Monat liegt es zwar nicht in den Top 5, aber die Dynamik ist alarmierend.
Verfahrensarten: Jedes fünfte Verfahren endet im Totalausfall
| Verfahrensart | Monat | Anteil | Jahr | Anteil |
|---|---|---|---|---|
| Eröffnung | 1.117 | 43,4% | 10.684 | 48,9% |
| Sicherungsmaßnahmen | 884 | 34,4% | 7.605 | 34,8% |
| Abweisung mangels Masse | 572 | 22,2% | 3.544 | 16,2% |
Die Abweisungsquote ist von 16,2% (Jahresdurchschnitt) auf 22,2% (aktueller Monat) gestiegen. Das ist ein besorgniserregender Trend: Immer mehr Unternehmen haben bei Insolvenzantragstellung so wenig Vermögen, dass nicht einmal das Verfahren selbst finanziert werden kann. Für Gläubiger bedeutet eine Abweisung mangels Masse in der Regel: kein Insolvenzverwalter, kein geordnetes Verfahren, Totalausfall.
Regionale Hotspots: NRW mit Abstand vorn
| Rang | Bundesland | Verfahren (Monat) | Anteil | Anteil (Jahr) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Nordrhein-Westfalen | 580 | 22,5% | 26,1% |
| 2 | Bayern | 330 | 12,8% | 11,1% |
| 3 | Baden-Württemberg | 301 | 11,7% | — |
| 4 | Hessen | 262 | 10,2% | 12,1% |
| 5 | Niedersachsen | 240 | 9,3% | 11,1% |
Nordrhein-Westfalen ist für jede vierte Insolvenz in Deutschland verantwortlich – im Jahresvergleich sogar für mehr als jede vierte (26,1%). Die Konzentration in NRW erklärt sich durch die Kombination aus hoher Wirtschaftsdichte, starkem verarbeitendem Gewerbe und großem Handelsvolumen.
Bemerkenswert: Berlin taucht im Gesamt-Ranking nicht in den Top 5 auf, ist aber beim Gastgewerbe das am stärksten betroffene Bundesland. Die regionale Risikoverteilung hängt also stark von der Branche ab.
82% aller Insolvenzen betreffen kleine und kleinste Unternehmen
| Unternehmensgröße | Verfahren (Monat) | Anteil |
|---|---|---|
| Kleinstunternehmen (bis 10 MA) | 1.189 | 46,2% |
| Kleine Unternehmen (11–49 MA) | 927 | 36,0% |
| Mittelgroße Unternehmen | 149 | 5,8% |
| Großunternehmen | 54 | 2,1% |
Die Insolvenzwelle ist vor allem eine Krise des Mittelstands und der Kleinunternehmen. Aber auch 54 Großunternehmen waren im letzten Monat betroffen – mit einer Ø-Bilanzsumme, die ein Vielfaches der kleinen Betriebe ausmacht. Die wirtschaftlichen Auswirkungen einzelner Großinsolvenzen können ganze Zulieferketten erschüttern.
Rechtsformen: GmbH dominiert, UG-Anteil steigt
| Rechtsform | Verfahren | Anteil |
|---|---|---|
| GmbH | 1.850 | 71,9% |
| UG (haftungsbeschränkt) | 249 | 9,7% |
| GmbH & Co. KG | 188 | 7,3% |
Fast jede zehnte Insolvenz betrifft eine UG (haftungsbeschränkt) – eine Rechtsform, die mit minimalem Stammkapital gegründet werden kann. In der Gastronomie liegt der UG-Anteil sogar bei 16–19%. Für Geschäftspartner ist die Rechtsform ein zusätzlicher Risiko-Indikator: UGs verfügen strukturell über geringere Reserven als GmbHs.
942 Fristen laufen in den nächsten 30 Tagen ab
Die wichtigste Zahl für Gläubiger: Aktuell laufen branchenübergreifend 942 Fristen zur Forderungsanmeldung innerhalb der nächsten 30 Tage ab. Davon:
- 251 Fristen in den nächsten 7 Tagen
- 422 Fristen in den nächsten 14 Tagen
- Durchschnittlich verbleiben nur 27 Tage bis zum Ablauf
Wer seine Forderungen nicht rechtzeitig anmeldet, verliert den Anspruch auf eine Quote – unabhängig davon, wie berechtigt die Forderung ist. Bei über 250 Fristen pro Woche ist automatisiertes Monitoring der einzige Weg, keine Deadline zu verpassen.
Fazit: Drei Dinge, die Sie jetzt tun sollten
- Prüfen Sie Ihre Watchlist: Sind alle relevanten Geschäftspartner erfasst? Besonders in den Top-3-Branchen Handel, Bau und Verarbeitendes Gewerbe?
- Achten Sie auf die Rechtsform: UGs und Kleinstunternehmen haben das höchste Ausfallrisiko. Passen Sie Kreditlimits und Zahlungsziele entsprechend an.
- Automatisieren Sie Ihr Fristenmanagement: Bei 942 ablaufenden Fristen im nächsten Monat ist manuelles Tracking keine Option mehr.
Datenquelle: Eigene Auswertung auf Basis der offiziellen Insolvenzbekanntmachungen (insolvenzbekanntmachungen.de). Analysezeitraum: 12.01.2026 – 11.02.2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Überblick erscheint monatlich.